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„Hygiene leichter leben©“ – Teil 1: Wie alles begann

Hygiene leichter leben©“ – Teil 1: Wie alles begann (starke Headline finden)

 

Hygiene ist ein sehr wichtiges Qualitätsmerkmal für das Krankenhaus. Dies fällt spätestens dann auf, wenn eine Infektion im Krankenhaus erworben wurde und insbesondere wenn die breite Öffentlichkeit durch die Medien davon erfährt. Um Infektionen präventiv zu bekämpfen und im Ausbruchsfall schnell zu reagieren gibt es klare Vorgehensweisen und Richtlinien. Aber zwischen Theorie und Praxis besteht bekanntlich ein großer Unterschied. So auch hier. Wer genau, was bis wann zu tun hat und wer die Verantwortung trägt ist oft nicht klar. Es gibt kaum zusätzliches Personal, und Hygiene ist neben der eigentlichen Routinearbeit zu erledigen. So ist es für das Hygieneteam schwer, die beteiligten Personen zur Mitarbeit zu motivieren. Um Unterstützung zu schaffen hat der Gesetzgeber das Infektionsschutzgesetz (IfSG) im Jahre 2011 überarbeitet. Wer davon betroffen ist und was das für die Einrichtungen bedeutet lesen Sie hier.

 

Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) wurde in den vergangenen Jahren überarbeitet und die Änderung trat am 4. August 2011 nach der Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt (BGBl Jahrgang 2011 Teil I Nr. 41, vom 3. August 2011, Seite 1622) in Kraft.

 

Eine der wichtigsten Neuregelungen im Bereich Krankenhaushygiene war, dass alle Landesregierungen bis zum 31. März 2012 eine Hygieneverordnung zum Infektionsschutz erlassen sollten. Dies galt für alle Krankenhäuser, Einrichtungen für ambulantes Operieren, bestimmte Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen, Dialyseeinrichtungen und Tageskliniken in den einzelnen Bundesländern. Die Hygieneverordnung enthält Maßnahmen zur Verhütung, Erkennung, Erfassung und Bekämpfung von Krankenhausinfektionen. Aus einem Bericht der Ärzte Zeitung vom 26.04.2012 ging hervor, dass einige Bundesländer die Frist verpassten. Ein klares Zeichen dafür, dass schon die erste Aufgabenstellung aus der Gesetzesänderung eine große Herausforderung für die betroffenen Einrichtungen bedeutete.

 

Folgende Aufgaben sind laut dem überarbeitetem Infektionsschutzgesetz umzusetzen:

  • In speziellen Hygieneplänen müssen innerbetriebliche Verfahrensweisen zur Verhütung von Infektionen definiert werden. Dies wird von den Gesundheitsämtern überprüft.

  • Krankenhäuser sollen Hygienebeauftragte Ärzte und Pflegekräfte benennen. Der Gesetzgeber räumt den Kliniken hierbei eine Übergangsfrist von fünf Jahren ein.

  • Es ist eine Hygienekommission zu bestellen und bei der Behandlung von MRSA-infizierten Patienten sind besondere Verfahrensweisen zu berücksichtigen.

  • Für den Personalbedarf gilt folgender Personalschlüssel:

    • Ein/e Klinikhygieniker/in bei Krankenhäusern ab 400 Betten,

    • Ein/e Hygienebeauftragte/r Ärztin/Arzt pro Fachabteilung mit speziellem Risikoprofil
für nosokomiale Infektionen,

    • Ein/e Pflegebeauftragte/r pro Station u. Pflegebereich (auch ambulante Einrichtungen).

  • Die Ergebnisse der Hygienequalität sollen künftig Bestandteil der verpflichtenden Qualitätsberichte der Krankenhäuser sein.

  • Das Robert-Koch-Institut  (RKI) richtete eine Kommission zu „Antiinfektiva, Resistenz und Therapie“ (ART) ein. Deren Aufgabe ist es, „klare Empfehlungen zum fachgerechten Einsatz von Diagnostika und Antiinfektiva bei der Therapie resistenter Infektionserreger“ zu geben. Diese Empfehlungen sind verpflichtend von den Einrichtungen umzusetzen.

 

Die Änderungen im IfSG stellen einen erheblichen Mehraufwand an Arbeit und Kosten dar. Zuerst wurde eine Welle an Ausbildungen initiiert. Hygienebeauftragte Ärzte und Pflegekräfte wurden ausgewählt, die Ausbildungen geplant und umgesetzt. Dieser Vorgang ist aktuell noch nicht überall abgeschlossen. Neueinstellungen hat es in den seltensten Fällen gegeben. Das bedeutet, die benannten Mitarbeiter erfüllen die Hygieneaufgaben zusätzlich zu ihrer Routine. Nicht immer haben sie diese Aufgaben auf freiwilliger Basis übernommen, dies gilt besonders für Hygienebeauftragte Ärzte und Ärztinnen. Wen wundert es dann, wenn die Prioritäten für das Thema Hygiene nicht eben hoch angesiedelt sind. Die eigentliche Arbeit beginnt also jetzt, wenn aus einer neu zusammen gestellten Gruppe eine effektive, funktionierende Einheit gemacht werden soll. Damit das funktioniert, müssen die neuen Teammitglieder integriert und motiviert werden. Bevor also eine Entlastung durch die zusätzlich verantwortlichen Hygienebeauftragten Personen erfolgen kann ist noch Einiges zu tun. Die Kommunikation muss sorgfältig und oft auch zeitintensiver gestaltet werden, mehr Abstimmung ist erforderlich, Verständnis und Einverständnis zu sichern. Wird dies nicht eingehalten, leidet die Zusammenarbeit. Missverständnisse häufen sich, Unzufriedenheit und Konflikte sind kaum vermeidbar. Ein Konzept für die Integration der neuen Hygienestruktur schafft Abhilfe.

 

Auf den Punkt gebracht

Mit der Überarbeitung des IfSG vom August 2011 hat der Gesetzgeber die Basis geschaffen, um der Hygiene eine höher Bedeutung beizumessen. Mit der Benennung von Hygienebeauftragten Ärzten und Pflegekräften soll die bisherige Abteilung Krankenhaushygiene unterstützt, die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt werden. Die Benennung der Personen und deren Ausbildung ist größtenteils abgeschlossen. Wie nun das neue Team in eine funktionstüchtige Einheit zu verwandeln ist bleibt jeder Einrichtung selbst überlassen. Das Konzept dazu und wie die Umsetzung realistisch durchgeführt werden kann erfahren Sie im nächsten Blog.

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